Stille

Wenn wir in uns hinein horchen, können wir Stille finden. Es braucht vielleicht ein wenig Übung und Geduld. Es braucht Musse und die Bereitschaft innezuhalten. Aber wenn wir uns ganz auf den aktuellen Moment einlassen, werden wir die Stille finden.

Stille ist lebenswichtig. Wir brauchen Stille genau so wie wir Atemluft oder wie die Pflanzen Licht brauchen. Wenn wir innerlich voller Worte und Gedanken sind, wo bliebe dann Platz für uns?

(Thich Nhat Hanh: Stille die aus dem Herzen kommt. Heyne Verlag 2015)

Gerne möchte ich mit meinen Yoga Kursen einen Raum schaffen, in dem wir uns von dem stetigen Machen, Denken und Bewerten lösen. Ein Ort an dem es Momente gibt in denen wir einfach nur sind. Ein Ort an dem wir vielleicht manchmal gemeinsam die Stille erfahren dürfen.

Einer meiner Lieblingstexte stammt von Dorothee Sölle. Sie beschreibt darin was passiert, wenn wir innehalten. Was sich einstellt, wenn wir ganz still sind.

Wenn ich ganz still bin

Wenn ich ganz still bin
kann ich von meinem Bett aus
das Meer rauschen hören
es genügt aber nicht ganz still zu sein
ich muss auch meine Gedanken vom Land abziehen

Es genügt nicht die Gedanken vom Festland abzuziehen
ich muss auch das atmen dem Meer anpassen
weil ich beim einatmen weniger höre

Es genügt nicht den Atem dem Meer anzupassen
ich muss auch Händen und Füssen die Ungeduld nehmen

Es genügt nicht Hände und Füsse zu besänftigen
ich muss auch die Bilder von mir weggeben

es genügt nicht die Bilder wegzugeben
ich muss auch das müssen lassen

Es genügt nicht das müssen zu lassen
solange ich das ich nicht verlasse

Es genügt nicht das ich zu lassen
ich lerne das fallen

Es genügt nicht zu fallen
aber während ich falle
und mir entsinke
höre ich auf
das Meer zu suchen
weil das Meer nun
von der Küste heraufgekommen
und in mein Zimmer getreten
um mich ist

Wenn ich ganz still bin

(Dorothee Sölle)

Herbststimmung am Weiher in St. Gallen